{"id":1028,"date":"2016-05-06T06:09:00","date_gmt":"2016-05-06T06:09:00","guid":{"rendered":"http:\/\/relaunch2025.zeitenspiegel.de\/aktuelles\/was-ist-guter-journalismus-o-toene-zum-preis\/"},"modified":"2016-05-06T06:09:00","modified_gmt":"2016-05-06T06:09:00","slug":"was-ist-guter-journalismus-o-toene-zum-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitenspiegel.de\/en\/aktuell\/was-ist-guter-journalismus-o-toene-zum-preis\/","title":{"rendered":"Was ist guter Journalismus? O-T\u00f6ne zum Preis"},"content":{"rendered":"<p><body mode=\"normal\" word-count=\"688\"><\/p>\n<p>Was ist guter Journalismus? Das fragten wir Besucher der Preisfeier in Fellbach &#8211; rund 500 Zuschauer waren gekommen, um der <a href=\"https:\/\/www.zeitenspiegel.de\/de\/aktuell\/hansel-mieth-preis-in-fellbach-verliehen-3\/\">Vergabe des Hansel-Mieth-Preises<\/a> beizuwohnen. Hansel Mieth, Fotografin und fr\u00fchere Fellbacherin, hatte einmal gesagt: Mitleid ist das erste Unrecht. Stimmt das? Sollen sich Reporter einmischen &#8211; und wenn ja, wie?  Was wollen die Leute von heute lesen?<\/p>\n<p>Hier einige Stimmen, dokumentiert von Zeitenspieglern, am Rande des Festakts:<\/p>\n<p>Monika Ehrhardt, 66, aus Weinstadt: \u201eGuter Journalismus greift aktuelle Themen auf und produziert und zeigt sie ohne gro\u00dfes Theater. Objektiv, nicht emotional. Ich habe nichts f\u00fcr Sensationsjournalismus \u00fcbrig, das w\u00e4re f\u00fcr mich der Gegenpol des guten Journalismus. Die Reportagen, die ich hier sehe, sind f\u00fcr mich guter Journalismus. Sie treffen genau das, was ich in Zeitungen oder Zeitschriften lesen m\u00f6chte. Ich war schon \u00f6fter bei der Hansel-Mieth-Preisverleihung, weil ich diese Veranstaltung sehr sch\u00e4tze, vor allem, weil man die Leute kennenlernen kann, die solche sch\u00f6nen Sachen schreiben.\u201c<\/p>\n<p>Camilla Wulf, 56, aus Winterbach: \u201eGuter Journalismus ist f\u00fcr mich \u00fcberparteilich, neutral, versucht, sich umfassend zu informieren, ist vielseitig und kritisch.\u201c \u201eMan muss Mitleid im Sinne des Buddhismus und im Sinne von Luise Rinser verstehen: als Mitgef\u00fchl. Rinser hat Mitgef\u00fchl als Weg zum Frieden bezeichnet. Denn Mitleid bedeutet Parteinahme, aber auf zwei unterschiedlichen Ebenen, von oben herab. Mitgef\u00fchl dagegen hei\u00dft, sich in die Situation, in die Personen hineinzuversetzen und ihnen auf gleicher Ebene zu begegnen. Das halte ich f\u00fcr unbedingt notwendig als Journalist.<\/p>\n<p>Michael Arlt, 45 Jahre, Stuttgart: \u201eGuter Journalismus ist f\u00fcr mich kritisch und investigativ, deckt Missst\u00e4nde auf. Ich will nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, sondern w\u00fcnsche mir von Journalisten, gerade auch in der Lokalpresse, eine kritischere Beleuchtung: sei es bei der Begleitung von Projekten wie Stuttgart 21 oder politischen Entscheidungen auf Bundesebene. Guter Journalismus ist mutig und erweitert den Horizont. Darum war auch die Preisverleihung heute Abend f\u00fcr mich ein gro\u00dfer Gewinn mit total spannenden Beitr\u00e4gen.\u201c<br \/>\n\u00a0<br \/>\nTanja Pfeiffer, 37 Jahre, Stuttgart: \u201eGute Journalisten begeben sich in andere Welten und nehmen die Leser mit auf ihre Reise. Ich fand die Ansprache des Preistr\u00e4gers Navid Kermani sehr treffend: Es geht bei jedem Thema darum, mehrere Seiten zu beleuchten. Nicht nur die Meinung und das pers\u00f6nliche Gef\u00fchl des Journalisten sollten im Vordergrund stehen. Guter Journalismus ist f\u00fcr mich ein Sprachrohr und der Blick in eine andere Lebenswirklichkeit. Ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben oder ein Urteil zu bilden. Das soll dem Leser selbst \u00fcberlassen sein.\u201c<\/p>\n<p>G\u00fcnter Kappler aus Fellbach: \u201cF\u00fcr mich bedeutet guter Journalismus, dass jemand vor Ort ist und dort gr\u00fcndlich recherchiert. Ich wei\u00df, dass das mit erheblichem Aufwand verbunden ist. Man muss viel Geld und Zeit investieren. Aber nur so kann man eine ad\u00e4quate Abbildung der Wirklichkeit liefern. Ich denke, es gibt auch heute noch viele gute Berichte, aber man muss sie suchen. Sie sind kein Massenph\u00e4nomen mehr. Allerdings bin ich auch kein gro\u00dfer Freund von Embedded-Berichten. Mir gefallen da eher die Reporter, die versuchen vor Ort auf eigene Faust zu recherchieren. Mein Gef\u00fchl ist einfach, dass die andere Form zu sehr gesteuert wird, durch die Interessen desjenigen, \u00fcber den der Embedded-Journalist berichtet.\u201d<br \/>\n\u00a0<br \/>\nBrigitte Haisch aus Stuttgart: \u201cMir ist wichtig, das wahrheitsgem\u00e4\u00df berichtet wird. Das nichts besch\u00f6nigt oder unter den Tisch gekehrt wird. Es \u00e4rgert mich besonders, dass heutzutage so viel abgeschrieben wird zwischen den Zeitungen. Ich bin schon der Meinung, wenn jemand raus geht um etwas zu erfahren, dann kann er das auch aus seiner Perspektive berichten. Es ist ja auch viel sch\u00f6ner, wenn ich mitlese, was derjenige gedacht hat und wie er etwas wahrgenommen hat. Da sind die Emotionen meistens echt. Das ist f\u00fcr mich viel \u00fcberzegender.\u201d<\/p>\n<p>Brigitte He\u00df, 70 Jahre, Fellbach: \u201eGuter Journalismus soll Hintergr\u00fcnde und die Ambivalenz von Meinungen aufzeigen, nicht nur fertige Tatsachen hinstellen. Hansel-Mieth hatte Recht: Mitleid, wenn es nur verbal ge\u00e4u\u00dfert wird und keine Taten folgen, ist das erste Unrecht. Gerade heute sollte man sich beim Umgang mit Fl\u00fcchtlingen daran erinnern.\u201c<\/p>\n<p>G\u00f6sta Huppenbauer, 21 Jahre, Stuttgart: \u201eIch kann mich Navid Kermani nur anschlie\u00dfen: Journalismus sollte in erster Linie berichten. Und er muss in eine Sache investieren d\u00fcrfen. Das ist nat\u00fcrlich schwierig geworden mit dem Internet, wenn immer alles schnell gehen muss. Ich bin zwar selbst ein \u201edigital-native\u201c, aber \u00fcberzeugt, dass die gedruckte Reportage immer wichtig bleiben wird.\u201c<\/p>\n<p><\/body><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist guter Journalismus? Das fragten wir Besucher der Preisfeier in Fellbach &#8211; rund 500 Zuschauer waren gekommen, um der Vergabe des Hansel-Mieth-Preises beizuwohnen. 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