{"id":1300,"date":"2010-08-26T08:21:00","date_gmt":"2010-08-26T08:21:00","guid":{"rendered":"http:\/\/relaunch2025.zeitenspiegel.de\/aktuelles\/bildung-fuer-maedchen-in-afghanistan\/"},"modified":"2025-07-25T06:28:03","modified_gmt":"2025-07-25T06:28:03","slug":"bildung-fuer-maedchen-in-afghanistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitenspiegel.de\/en\/aktuell\/bildung-fuer-maedchen-in-afghanistan\/","title":{"rendered":"Bildung f\u00fcr M\u00e4dchen in Afghanistan"},"content":{"rendered":"<p>Rund sechzig Zuh\u00f6rer versammelten sich am 2. Dezember in der Backnanger Ey\u00fcp Sultan Camii-Moschee, um auf Einladung des T\u00fcrkisch-Islamischen Kulturvereins und von Peace Counts einem W\u00fcrzburger Ehepaar zu lauschen, das in Afghanistan ein Bildungsprojekt auf den Weg gebracht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Hermann Schmid<\/p>\n\n\n\n<p>Talib ist nicht gleich Talib. Das wei\u00df Peter Schwittek, seit er im Jahre 1998 anfing, in Afghanistan auch M\u00e4dchen und junge Frauen in Moscheen und Privath\u00e4usern zu unterrichten. Die Macht im Lande hatten damals noch die Taliban \u2013 das ist die Mehrzahl von Talib, auf Deutsch: Religionssch\u00fcler. Nicht alle von ihnen waren und sind \u2013 wie es in Deutschland oft hei\u00dft \u2013 unduldsame muslimische Eiferer, die Frauen den Zugang zur Bildung verwehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht alles \u00fcber einen Kamm scheren, Differenzierungen erkennen und Perspektiven aufzeigen: darum ging es in der Veranstaltung des Kreishauses der Jugendarbeit Backnang, die von Zeitenspiegler Uli Reinhardt am 2. Dezember in der Moschee Ey\u00fcp Sultan Camii moderiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mullah zum Beispiel, der eines Tages in Peter Schwitteks Caritas-B\u00fcro in Afghanistan erschien, war \u201esicher einer von den Taliban\u201c, sagt Schwittek. Als Imam, also Leiter einer Moschee, wollte der den damals 58-j\u00e4hrigen Mathematiker daf\u00fcr gewinnen, den Schulunterricht f\u00fcr die Jugend in seiner Gemeinde zu organisieren. Schwittek war dazu bereit \u2013 aber nur unter der Bedingung, dass der Mullah dies auch f\u00fcr die M\u00e4dchen erlaube. Der hatte kein Problem damit, schlie\u00dflich habe er ja f\u00fcr die Erleuchtung aller Menschen zu sorgen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/PeaceCountsSchool_DSC_8135.jpg\" alt=\"Veranstaltung von Peace Counts in Backnang\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/PeaceCountsSchool_DSC_8013.jpg\" alt=\"Veranstaltung von Peace Counts in Backnang\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/PeaceCountsSchool_DSC_8043.jpg\" alt=\"Veranstaltung von Peace Counts in Backnang\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>So organisierte Peter Schwittek bald f\u00fcr rund zehntausend Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bis zur sechsten Klasse den Unterricht in f\u00fcnfzehn Moscheen der Hauptstadt Kabul \u2013 vertraglich vereinbart mit einem Staatssekret\u00e4r und abgesegnet vom obersten Talibanf\u00fchrer Mullah Omar im fernen Kandahar.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 2001 aber wurde das Regime der Taliban gest\u00fcrzt \u2013 nach den Terroranschl\u00e4gen der von ihnen beherbergten Al Qaida in New York und Washington. Fortan gab es in Afghanistan auch staatliche Schulen \u2013 mit kostenlosem Besuch f\u00fcr Jungen und M\u00e4dchen. Doch die Lehrer dort werden schlecht, manchmal auch nicht bezahlt \u2013 und erscheinen daher oft erst gar nicht zum Unterricht. Die Eltern schicken vor allem ihre T\u00f6chter auch nicht gerne dorthin, weil sie auf dem h\u00e4ufig sehr langen Schulweg Gefahren f\u00fcrchten.<br>\nIn die meist nahe Moschee aber lassen sie die M\u00e4dchen gehen oder lassen sie gleich zuhause lernen \u2013 von Lehrkr\u00e4ften, \u00fcber deren Wirken Peter Schwittek wacht \u2013 als Leiter der \u201eOrganisation zur F\u00f6rderung afghanischer regionaler Initiativen und Nachbarschaftshilfen\u201c, kurz: Ofarin. Auf Dari, dem in Afghanistan gesprochenen Dialekt des Persischen, hei\u00dft \u201eOfarin\u201c auch: \u201eGut gemacht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dass auch die ganz Kleinen ihre Sache gut machen \u2013 daf\u00fcr sorgt Peter Schwitteks Frau Anne Marie. Sie nahm sich derer an, die im Schlepptau ihrer \u00e4lteren Geschwister zur Moschee spaziert, dort aber zu tatenlosem Stillsitzen verdammt waren. Die ehemalige Erziehungsberaterin bringt den Kindern nun bei, was ihnen im Alltag weiterhilft: \u201eFarben und Formen, die Zahlen von 1 bis 9 und die Raumwahrnehmung \u2013 oben und unten, rechts und links\u201c.<br>\nReligionsunterricht erteilen die Schwitteks nicht; sie wollen sich erst gar nicht dem Verdacht aussetzen, als Ausl\u00e4nder den Kindern den falschen Glauben unterzujubeln. Sorge bereiten ihnen dagegen die mangelhaften Mittel, um Lehrer ausreichend fortbilden zu k\u00f6nnen. Vor allem den Rechenunterricht betrachten sie als entscheidende Schwachstelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter Schwittek bedauert zudem das Auftreten der amerikanischen Streitkr\u00e4fte in Afghanistan. Leider h\u00e4tten auch die internationalen ISAF-Schutztruppen \u2013 auch die Deutschen \u2013 sich immer mehr in diese Art von Milit\u00e4rpr\u00e4senz hineinziehen lassen. Nach langem \u00dcberlegen ist Peter Schwittek zu dem Schluss gekommen, es sei inzwischen wohl besser, die deutschen Truppen z\u00f6gen sich aus Afghanistan zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund sechzig Zuh\u00f6rer versammelten sich am 2. 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