{"id":1314,"date":"2010-01-28T21:43:00","date_gmt":"2010-01-28T21:43:00","guid":{"rendered":"http:\/\/relaunch2025.zeitenspiegel.de\/aktuelles\/als-fotograf-auf-haiti\/"},"modified":"2025-05-09T06:11:18","modified_gmt":"2025-05-09T06:11:18","slug":"als-fotograf-auf-haiti","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitenspiegel.de\/en\/aktuell\/als-fotograf-auf-haiti\/","title":{"rendered":"Als Fotograf auf Haiti"},"content":{"rendered":"<p><body mode=\"normal\" word-count=\"608\"><\/p>\n<p><em>Sofort nach der Nachricht vom Erdbeben reisten Zeitenspiegel-Reporter nach Haiti. Cecibel Romero, Julian Hillebrand und Oliver Reinhardt arbeiten im Auftrag des \u201cStern\u201d, Christoph P\u00fcschner fotografiert f\u00fcr den \u201cFocus\u201d. Bernd Hauser erreicht den Zeitenspiegler in Port-au-Prince am 15. Tag nach dem Beben.<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1583.jpg\" alt=\"\"\/><br \/>\n<em>Fotograf Christoph P\u00fcschner, Fahrer Junior, Focus-Autor Wolfgang Bauer und UEbersetzer Robert vor einem eingest\u00fcrzten Gesch\u00e4ftshaus.<\/em><\/p>\n<p>Christoph, wie geht es den Menschen in Port-au-Prince?<\/p>\n<p>Unver\u00e4ndert schlecht. Die Familien campieren weiter auf den Stra\u00dfen. Die Aufbauarbeit hat noch nicht begonnen. Die Menschen haben genug damit zu tun, das UEberleben zu organisieren. Und viele haben Angst vor Nachbeben. <\/p>\n<p>Wie ist die medizinische Versorgung?<\/p>\n<p>Viele europ\u00e4ische und amerikanische \u00c4rzteteams sind jetzt vor Ort, die in ihren OP-Zelten operieren k\u00f6nnen. Das ist dringend n\u00f6tig. Die \u00c4rzte m\u00fcssen viele Amputationen vornehmen. Bei vielen Verletzten, die nach dem Beben notd\u00fcrftig erstversorgt wurden, haben sich schwere Infektionen entwickelt. <\/p>\n<p>Gibt es wenigstens zu essen?<\/p>\n<p>Die internationalen Helfer und wir Journalisten bekommen etwas in den wenigen Superm\u00e4rkten oder Tankstellen, die ge\u00f6ffnet haben. Die Einheimischen k\u00f6nnen landwirtschaftliche Produkte kaufen, die vom Land in die Stadt kommen, sofern sie Geld haben. <\/p>\n<p>Funktioniert die Versorgung durch internationale Hilfsorganisationen?<\/p>\n<p>Ja, schon. Aber die Hilfsg\u00fcter m\u00fcssen ja alle eingeflogen werden. Auch der Hafen ist kaputt. Containerschiffe k\u00f6nnen nicht anlanden. Ich habe gesehen, wie Drei\u00dfigtonner der GTZ mit Lebensmitteln ankamen, und trotzdem nur ein Drittel der riesigen Menschenmenge etwas abbekam <\/p>\n<p>Wie reagieren die Bed\u00fcrftigen darauf? Mit Wut?<\/p>\n<p>Nein. Noch nicht. Die Menschen stehen stundenlang in der Hitze in der Schlange, ohne Aggression. Ich habe keine einzige negative \u00c4u\u00dferung erlebt, auch nicht gegen\u00fcber mir, dem ausl\u00e4ndischen Fotografen. <\/p>\n<p>Ist diese Duldsamkeit nicht erstaunlich?<\/p>\n<p>Es liegt wohl daran, dass Haiti ein armes Land ist. F\u00fcr die Menschen sind Entbehrungen nichts Neues. Vielleicht kommt auch ein gewisser Fatalismus dazu. Wir k\u00f6nnen das kaum verstehen. Aber unsere Eltern, die Kriegsgeneration, vielleicht schon eher. Die k\u00f6nnen eher nachvollziehen: es bringt nichts, auszurasten, wenn man ausgebombt ist, das macht das Elend nicht besser. <\/p>\n<p>Im Fernsehen gab es Bilder von mit Macheten bewaffneten Pl\u00fcnderern. Ist die Arbeit gef\u00e4hrlich f\u00fcr dich?<\/p>\n<p>Port-au-Prince war ja auch schon vor dem Erdbeben eine Stadt, in der man nicht in allen Vierteln abends einfach so spazieren gehen konnte. Aber wie gesagt: Ich bin nicht bedroht worden.<\/p>\n<p>Die Helfer brauchen sich \u00fcber ihre Rolle in so einer Katastrophe kaum Gedanken zu machen. Aber wie f\u00fchlst du dich als Fotograf?<\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdig. Man verliert seine professionelle Distanz. Man denkt: Es w\u00e4re jetzt besser, wenn du auch einer vom Technischen Hilfswerk w\u00e4rst. Die Kamera kann ein Schutz sein: Ich versuche manchmal, die Bilder nicht durch die Kamera hindurch bis in meinen Kopf dringen zu lassen. Aber das funktioniert in Haiti nicht. Die Bilder brennen sich in dir ein. <\/p>\n<p>Wie kommt man mit diesen Bildern in seinem Kopf klar?<\/p>\n<p>Da wei\u00df ich noch nicht. Die Menschen, die mir nahe stehen, werden hoffentlich willens sein, sich einiges anzuh\u00f6ren. Aber im Grunde bin ich ja privilegiert: Ich reise zur\u00fcck nach Deutschland und lasse das Elend hinter mir. Die Einheimischen k\u00f6nnen das nicht. <\/p>\n<p>Du hast in vielen Kriegen und Katastrophen fotografiert. Warum machst du diese Arbeit?<\/p>\n<p>Ja, warum mache ich sie? Gute Frage. Als der Anruf von \u201cFocus\u201d kam, habe ich einfach meine Sachen gepackt. Wenn aber auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen ein neuer Anruf gekommen w\u00e4re, mit der Ansage, dass ich wieder nach Hause fahren soll, w\u00e4re ich froh gewesen. Ich war nach dem Tsunami dabei, ich wusste also ungef\u00e4hr, welche Bilder in Haiti auf mich zukommen. Aber ich bin Fotoreporter. Ich glaube, dass gute Fotos den Menschen in Deutschland vermitteln k\u00f6nnen, was die Haitianer ertragen m\u00fcssen, besser als ein geschriebener Bericht oder ein schneller Film in der Tagesschau.<\/p>\n<p><\/body><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sofort nach der Nachricht vom Erdbeben reisten Zeitenspiegel-Reporter nach Haiti. Cecibel Romero, Julian Hillebrand und Oliver Reinhardt arbeiten im Auftrag des \u201cStern\u201d, Christoph P\u00fcschner fotografiert f\u00fcr den \u201cFocus\u201d. Bernd Hauser erreicht den Zeitenspiegler in Port-au-Prince am 15. Tag nach dem Beben. 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