{"id":1367,"date":"2008-11-24T21:51:00","date_gmt":"2008-11-24T21:51:00","guid":{"rendered":"http:\/\/relaunch2025.zeitenspiegel.de\/aktuelles\/exkurs-zivilcourage-und-medien\/"},"modified":"2008-11-24T21:51:00","modified_gmt":"2008-11-24T21:51:00","slug":"exkurs-zivilcourage-und-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitenspiegel.de\/en\/aktuell\/exkurs-zivilcourage-und-medien\/","title":{"rendered":"Exkurs: Zivilcourage und Medien"},"content":{"rendered":"<p><body mode=\"normal\" word-count=\"2222\"><\/p>\n<p>Schlie\u00dfen Einsatz f\u00fcr den N\u00e4chsten und Journalismus einander aus, laufen sie nur nebeneinander \u2013 oder keines von beidem?<br \/>\nAm 23. November hielt der Journalist Josef-Otto Freudenreich im \u201cGottesdienst um 7\u201d in der Waiblinger Michaeliskirche eine Rede\/Predigt dazu, im Anschluss wurde die Zeitenspiegel-Ausstellung \u201cPeace Counts\u201d gezeigt. Freudenreichs Beitrag im Wortlaut:<\/p>\n<p>Liebe Frau Eisrich, liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>als ehemaliger stellvertretender Oberministrant bedanke ich mich<br \/>\nherzlich f\u00fcr die Einladung, die mir Gelegenheit gibt, \u00fcber etwas zu<br \/>\nsprechen, was ich selbst erst lernen musste, was uns nicht in die<br \/>\nWiege gelegt wurde, was wir aber alle brauchen, wenn wir im<br \/>\naufrechten Gang durchs Leben gehen wollen: \u00fcber Zivilcourage. Sie werden es kaum glauben: es gibt dazu sogar schon Volkshochschulkurse.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte jetzt als Soziologe, der ich von Hause aus bin, dar\u00fcber<br \/>\nsprechen und dar\u00fcber nachsinnen, welche Bedeutung Zivilcourage, also civis und Mut, f\u00fcr die Gesellschaft hat, und was es f\u00fcr sie bedeutet, wenn es sie nicht gibt. Ich m\u00fcsste dann viel \u00fcber Solidarit\u00e4t, Entsolidarisierung und Anonymisierung reden.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte aber einen anderen, praktischeren, alltagsbezogenen und mir n\u00e4her liegenden Weg einschlagen: den journalistischen. Das hei\u00dft ganz einfach: genau hinschauen, viele Fragen stellen, auch unbequeme, dokumentieren, was ist, auch wenn es nicht dem Zeitgeist entspricht.<br \/>\nDas ist meine Profession, ich k\u00f6nnte auch sagen: meine Passion, weil der Beruf des Journalisten eigentlich der sch\u00f6nste der Welt ist.<\/p>\n<p>Wir kennen alle die Alltagssituationen. In der Stra\u00dfenbahn, auf der Stra\u00dfe, im \u00f6ffentlichen Raum eben. Ein Mensch wird bedroht, ein schwarzer wom\u00f6glich. Er wird verpr\u00fcgelt, niedergeschlagen, getreten.<br \/>\nWas tun wir? Helfen wir? Schauen wir weg und gehen eilig weiter?<br \/>\nL\u00e4hmt uns die Angst, in etwas hineingezogen zu werden, was wir nicht wollen?<\/p>\n<p>Wenn sie viel unterwegs sind, werden sie sich diese Fragen h\u00e4ufig<br \/>\nstellen m\u00fcssen, weil die Gewalt zugenommen hat. Aber ist es nur die Faust im Auge des Anderen? Ist es nicht auch das Mobben im B\u00fcro, das willk\u00fcrliche Entlassen im Betrieb, die Gewalt zu Hause, die ein entschiedenes Nein verlangt? Geh\u00f6rt dazu nicht auch die j\u00fcngste Aussage eines leitenden Wasserkraftwerkers, der Martin Bonhoeffer einen \u201cVaterlandsverr\u00e4ter\u201d genannt hat? Wir wissen: Gewalt kann auch mit Worten ausge\u00fcbt werden.<\/p>\n<p>\u201cNichts erfordert mehr Mut und Charakter, als sich im offenen<br \/>\nGegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein\u201d. Das ist von Kurt Tucholsky.<\/p>\n<p>Zivilcourage hei\u00dft auch Nein sagen, zu dem, was uns allt\u00e4glich<br \/>\nerscheint, normal, gew\u00f6hnlich, was einfach so geschieht. Eine<br \/>\ndemokratische Gesellschaft braucht dieses Nein. Sie braucht die<br \/>\nIntoleranz gegen\u00fcber der Verletzung ihrer Grundwerte, zu denen wir Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarit\u00e4t z\u00e4hlen. Man kann es auch anders ausdr\u00fccken: Zivilcourage ist eine genuin demokratische Verhaltensweise, mit der jeder einzelne, ohne Amt und \u00f6ffentlichen Auftrag gegen L\u00fcge und Unrecht eintreten kann. Zivilcourage bedeutet aber auch, dass wir unseren eigenen \u00c4ngsten Ausdruck verleihen.<\/p>\n<p>Was aber tun wir? Kann es nicht sein, dass wir h\u00e4ufig versucht sind, uns zu dr\u00fccken? Dass wir taktieren, lavieren, kalkulieren, was uns<br \/>\nn\u00fctzt und was uns schadet. Blo\u00df kein klares Wort, sondern sich lieber verstecken hinter Politiker- oder Diplomatensprech oder hinter dem Begriff \u201cschw\u00e4bisch-liberal\u201d, der oft nur noch Attitude oder Feigheit ist. Blo\u00df den Konflikt scheuen, Ross und Reiter nicht nennen, stattdessen Nebelkerzen werfen, hinter deren Rauch man sich schnell unsichtbar machen kann. Vielleicht sind wir eine mutlose Gesellschaft geworden, die sich nichts traut und alles f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt. Anything goes und das m\u00f6glichst easy.<\/p>\n<p>Um nicht missverstanden zu werden: Ich rede hier nicht von denen, die mit breiter Brust, \u00fcberbordendem Selbstbewusstsein, um nicht zu sagen,mit selbstzweifelfreier Selbstgerechtigkeit durchs Leben gehen. Davon gibt es gen\u00fcgend. Jene zum Beispiel, die uns immer sagen, wir m\u00fcssten den G\u00fcrtel enger schnallen und die selbst Hosentr\u00e4ger brauchen. Ich rede von den Zweifelnden, die noch ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr haben, wie eine<br \/>\nzivilisierte Gesellschaft sein m\u00fcsste. In der Kirche w\u00fcrde man<br \/>\nwahrscheinlich sagen: br\u00fcderlich.<\/p>\n<p>Lassen Sie mich an dieser Stelle auf meinen Berufsstand, die Medien, zur\u00fcckkommen. Sie haben vielleicht gemerkt, dass ich das Wort \u201ceigentlich\u201d eingeflochten habe, als ich sagte, der Beruf des Journalisten sei der sch\u00f6nste der Welt. Daraus ist der Zweifel zu h\u00f6ren, und dieser Zweifel hat etwas mit dem Zustand, mit dem Geist der Medien zu tun, der immer mehr verflacht.<\/p>\n<p>Schauen wir wirklich genau hin, stellen wir die richtigen Fragen,<br \/>\nhaben wir eine Meinung? Oder beten wir \u2013 Entschuldigung daf\u00fcr in<br \/>\ndiesem Raum \u2013 nur nach, was uns Politiker, Banker und Bambi-Verleiher in den Notizblock diktieren? Kann es sein, dass wir \u00fcberall das Gleiche lesen, h\u00f6ren und sehen? Wir sind wieder so weit, dass wir uns ducken. Die wirtschaftliche Krise, die uns verantwortungslose Gierschlunde beschert haben, ertr\u00e4nkt den Mut, den es br\u00e4uchte, wieder im Mainstream.<\/p>\n<p>Vergessen scheint, dass unsere Verfassungsv\u00e4ter der Presse ins<br \/>\nStammbuch geschrieben haben, W\u00e4chter zu sein, Kontrolleure der Macht, Aufkl\u00e4rer und Orientierungshelfer. Sie sollen zur Meinungsbildung beitragen, mithelfen zu erkennen, wo etwas richtig oder falsch l\u00e4uft, wo Macht mi\u00dfbraucht oder zum Guten gebraucht wird. Was ist davon noch \u00fcbrig?<\/p>\n<p>Hans Magnus Enzensberger hat den Begriff der Bewu\u00dftseinsindustrie gepr\u00e4gt, mit dem er sagen wollte, dass das, was wir im Kopf haben, von den Medienfabriken erzeugt wird. Sp\u00e4ter hat er vom Nullmedium Fernsehen gesprochen, das noch weniger Gutes verspricht, aber das so weit nicht her geholt ist, wenn wir betrachten, womit wir tagt\u00e4glich drangsaliert werden.<\/p>\n<p>Zivilcourage lernen wir weder von den einen noch den anderen, weil sie genau das, was sie ausmacht, nicht wollen oder zumindest nicht f\u00f6rdern: Gegen den Strom schwimmen, die eigene UEberzeugung unerschrocken vertreten. Was wir lesen, sehen und h\u00f6ren ist \u2013 von Ausnahmen abgesehen \u2013 Mainstream.<\/p>\n<p>Sie erinnern sich an die neoliberale Phase. Man k\u00f6nnte auch mit Guido Westerwelle sagen: jeder ist seines eigenen Gl\u00fcckes Schmied, und wenn er kein Gl\u00fcck hat, hat er Pech gehabt und landet in Hartz IV. Die Ackerm\u00e4nner, Schr\u00f6ders und Hundts haben uns gesagt, dass die Globalisierung gro\u00dfe Segnungen \u00fcber uns bringen wird, bei manch schmerzhaftem Einschnitt vielleicht, aber wenn sich nur jeder kr\u00e4ftig anstrenge, sollte es zu seinem Nachteil nicht sein. Und der Staat solle sich gef\u00e4lligst heraus halten. Das regele der Markt alles selbst. So durften wir es immer h\u00f6ren, lesen und sehen, weil die Medien eine Papageienhafte Rolle \u00fcbernommen haben.<\/p>\n<p>Doch pl\u00f6tzlich ist alles anders. Pl\u00f6tzlich schl\u00fcpfen Banken und<br \/>\nAutomobilkonzerne unter Angela Merkels Schirm. Pl\u00f6tzlich r\u00e4sonnieren dieselben Leitartikler, die einst ihre unsoziale Marktwirtschaft zur Heilslehre verkl\u00e4rt haben, \u00fcber das Ende des Kapitalismus. Und sie rufen nach dem Staat.<\/p>\n<p>Mutig ist das nicht. Nur ein Reflex auf den Zeitgeist, der heute so<br \/>\nund morgen anders weht. Journalistische Zivilcourage s\u00e4he anders aus. Sie w\u00e4hlte den unbequemen Weg, fragte nach den Menschen, die unter die R\u00e4der des Turbokapitalismus gekommen sind, nach der Ethik des Marktes, der Moral der Manager und einer Zukunft, in der nicht jeder gegen jeden k\u00e4mpfen muss. Manchmal w\u00fcnschte man sich einen Martin Luther zur\u00fcck, der seine Thesen an die Kirchent\u00fcr von Wittenberg nagelt.<\/p>\n<p>Was aber machen die Besitzer der Medien, der Presse? Ich k\u00f6nnte jetzt an den legend\u00e4ren Satz von Paul Sethe erinnern, der einmal gesagt hat,die Pressefreiheit sei die Freiheit von wenigen Menschen, ihre Meinung zu sagen. Ich tue es nicht, weil die Dinge komplizierter sind,weil es keiner von oben exekutierten Meinung mehr bedarf. Der Mainstream ist ein Produkt der Anpassung aller Beteiligter am gro\u00dfen Medienspiel.<\/p>\n<p>Die meisten Verleger von heute sagen: Qualit\u00e4tssteigerung durch<br \/>\nKosteneinsparung. Sie sagen nicht, was Qualit\u00e4t hei\u00dft, sie sagen nur, wie bei der WAZ geschehen: 300 Arbeitspl\u00e4tze m\u00fcssen weg. M\u00f6glicherweisehaben sie auch gelesen, dass es auch die S\u00fcddeutsche Zeitung trifft, die Wirtschaftstitel von Gruner und Jahr, und m\u00f6glicherweise haben sie in dieser Woche auch die Landesschau gesehen, in der das Stuttgarter Pressehaus das Thema war. Ich kann Ihnen versichern: Das ist erst der Anfang.<\/p>\n<p>Die Verleger von heute, zumindest die Mehrzahl von ihnen, k\u00f6nnten auch Schraubenfabriken leiten. Es gibt keine Augsteins mehr, die ihre Zeitungen und Zeitschriften als \u201cSturmgesch\u00fctz der Demokratie\u201d verstehen. (Nehmen Sie nur Stefan Aust, den ehemaligen Chefredakteur des Spiegel, der gegen uns prozessiert, weil wir es gewagt haben, einen Generalstaatsanwalt zu Wort kommen zu lassen, der Aust kritisiert hat. Aust will uns jetzt in die so genannte Verbreiterhaftung nehmen. Der letzte Stand der Dinge ist, dass er mir sogar einen Kommentar zu seiner Vorgehensweise verbieten lassen will).<\/p>\n<p>Die meisten Verleger von heute wollen nur noch eines: Rendite. Und die am besten im zweistelligen Bereich. Sie \u00fcbersehen dabei, dass Qualit\u00e4tspresse keine Ware ist, sondern ein Kulturgut, das im Sinne einer demokratischen B\u00fcrgergesellschaft zu sch\u00fctzen ist. Wer heute so etwas sagt, ger\u00e4t schon in den Verdacht, Zivilcourage zu haben. Dabei ist es eine pure Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<\/p>\n<p>Lassen Sie mich im zweiten Teil Mut machen. Ich m\u00f6chte Ihnen von unserer Lesereise mit dem Buch \u201cWir k\u00f6nnen alles \u2013 Filz, Korruption und Kumpanei im Musterl\u00e4ndle\u201d berichten. Sie hat uns in 25 Orte in Baden-W\u00fcrttemberg gef\u00fchrt, mit 3000 Menschen zusammen gebracht \u2013 und die Augen ge\u00f6ffnet. Dar\u00fcber, wie dick der Hals der Menschen ist, welche Hoffnungen sie haben, welche \u00c4ngste und welchen Willen, sie zu \u00fcberwinden. <\/p>\n<p>Eine der ersten Lesungen war in Ravensburg in Oberschwaben. Also in einem sehr konservativen Landstrich, in dem die katholische Kirche, der katholische Adel und die katholischen Landr\u00e4te noch die Deutungshoheit haben. Dort gibt es auch eine Zeitung, die sich als \u201cunabh\u00e4ngige Zeitung f\u00fcr christliche Kultur und Politik\u201d bezeichnet. Die Schw\u00e4bische Zeitung.<\/p>\n<p>Sie hat gegen das Buch geklagt, weil darin von \u201cMobbing \u00fcbelster<br \/>\nSorte\u201d die Rede war. Der Prozess endete mit einem Vergleich, der<br \/>\nnichts weiter erbrachte als den Zusatz: Die Schw\u00e4bische Zeitung<br \/>\nbestreitet dies vehement. Aber das ist nicht wichtig. Wichtig war das Verhalten jenes Ravensburger Buchh\u00e4ndlers, der es gewagt hatte, uns zu einer Lesung einzuladen. Er hatte ein Plakat im Schaufenster h\u00e4ngen, auf dem ein Vorabdruck der Geschichte \u00fcber die Schw\u00e4bische Zeitung zu lesen war.<\/p>\n<p>Abgesandte des Blattes setzten ihn massiv unter Druck, wollten<br \/>\nzumindest den Mobbing-Vorwurf geschw\u00e4rzt sehen, obwohl das Gericht noch gar nicht dar\u00fcber verhandelt hatte. Und was tat der Buchh\u00e4ndler. Er lie\u00df das Plakat h\u00e4ngen, wohl wissend, dass ihm der Zeitungsmonopolist das Leben schwer machen konnte. Er ist nicht eingeknickt, er hat nicht \u00fcberlegt, welche Nachteile es f\u00fcr ihn haben k\u00f6nnte, wenn er es sich mit der \u201cunabh\u00e4ngigen Zeitung f\u00fcr christliche Kultur und Politik\u201dverderben w\u00fcrde. Er hat einfach Nein gesagt, weil er sich Mund und Meinung nicht verbieten lassen wollte. \u201cEine Zeitung muss mehr noch als jedes andere Unternehmen akzeptieren\u2019\u2019, so betonte er, dass ihre Gesch\u00e4ftspolitik diskutiert wird. Wenn die einzige Tageszeitung, die es hier gibt, schon nicht \u00fcber das Buch berichtet, ist es unsere Aufgabe als Buchh\u00e4ndler, das zu verbreiten. Frei nach dem Motto: Wer nicht k\u00e4mpft, hat schon verloren.<\/p>\n<p>Solche couragierten Menschen haben wir in Oberschwaben viele gefunden.Mit einem Netzwerk S\u00fcd, einem Zusammenschluss gr\u00fcn-alternativer Oberschwaben \u2013 das gibt\u2019s wirklich \u2013 haben wir eine Tournee durch mehrere St\u00e4dte veranstaltet. Sie haben f\u00fcr uns Stadthallen angemietet,die Werbung gemacht und Musikgruppen organisiert. Der Erl\u00f6s ist nicht in irgendwelche Taschen gewandert, sondern sollte unsere Prozesskasse<br \/>\naufbessern. Will sagen: Sie haben sich eingemischt, und sie haben, wie wir auch, viel Freude daran gehabt. Auch deshalb, weil der Druck irgendwann so gro\u00df geworden ist, dass das Monopolblatt nicht umhin kam, \u00fcber nachfolgende Veranstaltungen zu berichten.<\/p>\n<p>Das ist viel wert in einer Region, in der man sich bisweilen an eine<br \/>\nMonarchie erinnert f\u00fchlt. Hier treffen sie auf Politiker wie den<br \/>\nideellen Gesamtoberschwaben Wilfried Steuer, der sich durch den<br \/>\nkatholischen Glauben ausreichend legitimiert sieht, ein Landrat f\u00fcr<br \/>\nalle zu sein. Nie werde ich den Ausflug mit ihm zu seinem eigenen<br \/>\nKreuz vergessen. Dort steht: \u201cGl\u00e4ubig aufw\u00e4rts, mutig vorw\u00e4rts,<br \/>\ndankbar r\u00fcckw\u00e4rts\u201d. Seine eigentliche Losung hat er, wie er sagt,<br \/>\nnicht ins Holz schnitzen lassen: \u201cHeimlich seitw\u00e4rts\u201d. Das Heimliche der Hinterzimmer aufzubrechen \u2013 auch das ist Zivilcourage. In Oberschwaben w\u00e4chst sie.<\/p>\n<p>Wir haben sie aber auch an anderen Orten gefunden. B\u00fcrger, die sich gegen korrupte B\u00fcrgermeister wehren, B\u00fcrgermeister, die gegen \u00fcberm\u00e4chtige Energiekonzerne zu Felde ziehen, B\u00fcrger, die sich mit einer Regierungstreuen Justiz nicht abfinden wollen. Wir haben sie auch bei der Polizei gefunden, von der sie pl\u00f6tzlich Papiere erhalten,in denen Beamte \u00fcber ihre Arbeit berichten. In denen sie \u00fcber stark gestiegene Suizidzahlen schreiben, \u00fcber Parteibuchwirtschaft, Arbeits\u00fcberlastung und bewusste Schikanen. Allein dass sie es notieren, bedeutet eine extreme Gef\u00e4hrdung f\u00fcr sie, dass sie es an Journalisten weiter geben, w\u00fcrde sie das Amt kosten, wenn sie als Informanten dingfest gemacht w\u00fcrden. Sie g\u00e4lten dann als Geheimnisverr\u00e4ter.<\/p>\n<p>Von solchen \u201cWhistleblowern\u201d leben wir, lebt dieses Buch. Ohne sie blieben die meisten Seiten wei\u00df und wir ohne die Fakten, die wir zum Schreiben brauchen. Auch hier ist mir eine Klarstellung wichtig: Wir Journalisten, die man manchmal investigativ oder Enth\u00fcller nennt, wir sind nicht die Hauptpersonen oder gar die R\u00e4cher der Entrechteten.<\/p>\n<p>Wir Journalisten sind nur die Chronisten des manchmal Unertr\u00e4glichen, die Helden sind diese Informanten, die sich mit ihnen nur auf Autobahnrastst\u00e4tten treffen, weil in ihren Amtsstuben und Firmen Big Brother zu Hause ist. Auch das ist eine Folge der immer st\u00e4rker werdenden UEberwachung, bis hinein ins Private, die \u2013 wenn man nicht aufpasst \u2013 sich ins Paranoide steigern kann. Wer hinter jedem Busch einen Schlapphut sieht, hat aufgeh\u00f6rt, der Realit\u00e4t eine Rationalit\u00e4t zuzusprechen. Zivilcourage erw\u00e4chst aber aus der Klarheit des<br \/>\nGedankens und der Freiheit des Gewissens.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte zusammenfassen: Wenn wir von Zivilcourage reden, reden wir von uns. Von unserem Willen, uns einzumischen oder von unserer Unf\u00e4higkeit, vielleicht auch nur Verzagtheit, Flagge zu zeigen. Fest zu halten bleibt: Es geht um die allt\u00e4gliche Meinungsfreiheit und die Akzeptanz von Widerspruch. Bis hin zur Anerkennung und Unterst\u00fctzung von Menschen, die den aufrechten Gang \u00fcben und sich f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit einsetzen. Je mehr wir nach diesem Prinzip leben, desto<br \/>\nweniger Helden wird dieses Land einmal brauchen.<\/p>\n<p>Ich danke Ihnen f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p><\/body><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schlie\u00dfen Einsatz f\u00fcr den N\u00e4chsten und Journalismus einander aus, laufen sie nur nebeneinander \u2013 oder keines von beidem? Am 23. November hielt der Journalist Josef-Otto Freudenreich im \u201cGottesdienst um 7\u201d in der Waiblinger Michaeliskirche eine Rede\/Predigt dazu, im Anschluss wurde die Zeitenspiegel-Ausstellung \u201cPeace Counts\u201d gezeigt. 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