Fünf Reporterinnen und Reporter von Zeitenspiegel waren in den vergangenen Wochen auf Recherche in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern, um im Auftrag des stern mit Betroffenen der Hochwasserkatastrophe zu sprechen.
Das Team beschäftigte sich über die einzelnen Recherchen hinaus auch mit der Frage, wie die Balance zwischen Aktualität und einem umsichtigen Umgang mit Menschen in Extremsituationen gelingen kann. Zeitenspiegel-Autorin und stern-Korrespondentin Ingrid Eißele sprach darüber in einem Interview mit stern.de:
„Von anderen Katastrophen – vor allem
nach Terroranschlägen oder Amokläufen
– wissen wir, wie kritisch die Stunden
und Tage danach sind. Dass die
Menschen noch unter Schock stehen, sie
eigentlich eine gewisse Zeit brauchen,
um den Schock zu verarbeiten. Wir
wollen mit Menschen in
Extremsituationen in Kontakt kommen,
denen binnen weniger Stunden jede
Sicherheit weggerissen worden war.
Wir sind keine Psychologen, keine
Notfallseelsorger, keine Helfer – also
ehrlicherweise aus Sicht der
Betroffenen ziemlich überflüssig.
Dennoch sprachen nahezu alle mit uns,
die wir um ein Gespräch baten. Das hat
gewiss auch damit zu tun, dass sie
sich das Erlebte von der Seele reden
wollten, aber es ist auch ein
Vertrauensbeweis, der uns auch über
die Recherche hinaus in die
Verantwortung nimmt. Es hilft, wenn
man sich manchmal selbst fragt: Wäre
ich selbst betroffen, was würde ich
ertragen können? Klar, wir müssen
unseren Job machen, dazu brauchen wir
viele Informationen. Aber wir tragen
zugleich Verantwortung, und das heißt,
Gesprächspartnern keinen Schaden
zuzufügen. Enorm wichtig waren dabei:
Zeit, Ruhe und Geduld. Auch die Geduld
der stern-Kolleginnen und -Kollegen in
Hamburg, die um den Faktor Zeit wissen
und die auf ihre Leute vor Ort
vertrauen. Auf manche
Gesprächspartnerinnen und -partner
mussten wir einige Tage warten, bis
sie Zeit und Ruhe fanden.“
Das ganze Interview ist hier nachzulesen:
Aus den Recherchen entstanden zwei Titelgeschichten fürs gedruckte stern-Heft, mehrere Beiträge für die Digitalkanäle, außerdem eine große Chronologie der Ereignisse und Helferportraits für das hundert Seiten starke Sonderheft „Die Flut – Chronik einer angekündigten Katastrophe“.
Die Veröffentlichungen im Überblick:
Trauer um die Toten, Wut auf die Behörden: „Wir sind nicht rechtzeitig gewarnt worden“
In Sinzig hat das Hochwasser eine Straße besonders verwüstet. Zwölf Bewohner eines Heims starben. Ortstermin in der Pestalozzistraße. Von Frank Brunner
Die Schrecken der Flutnacht in Bad Neuenahr: „Die Schreie kamen von meiner Mutter“
Der Vater floh vor mehr als 40 Jahren aus dem syrischen Aleppo. In Bad Neuenahr fand er ein neues Zuhause. Jetzt liegt es in Trümmern. Seit zwei Wochen trifft sich die gesamte Familie Mardo jeden Tag zum Wiederaufbau. Von Frank Brunner
„Schlimmer als im Krieg“: Wie ein Bürgermeister versucht, sein Dorf wieder aufzubauen
Am Tag nach dem Hochwasser gleicht das rheinland-pfälzische Schuld einem Trümmerfeld. Der Bürgermeister versucht zu helfen. Doch die Verzweiflung in der kleinen Gemeinde ist groß. Von Frank Brunner
Titelgeschichte stern 30/2021:
Stunden, die niemand vergessen wird
Es waren kleine Flüsse, die in der vergangenen Woche zu Wasserwalzen wurden – und vielen Menschen alles nahmen. Mitarbeit: Frank Brunner, Ingrid Eißele, Hannah Möller, Jelca Kollatsch
Titelgeschichte stern 31/2021:
Was vom Leben übrig blieb
Es war eine Katastrophe und sie ist nicht vorbei. Der stern traf Menschen, die fast alles verloren haben – nur ihre Hoffnung nicht. Mitarbeit: Frank Brunner, Ingrid Eißele, Hannah Möller, Isabel Stettin
https://www.stern.de/p/plus/gesellschaft/nach-der-flut—was-vom-leben-uebrig-blieb-30633090.html
Bürgermeister von Sinzig: „Was wir in die Toiletten werfen, kommt fast ungefiltert wieder raus”
Die Kanalisation ist weg, das Stromnetz überlastet, die Schule zerstört. Andreas Geron, Bürgermeister von Sinzig, ist wie viele seiner Verwaltungsbeamten selbst Opfer der Flut. Und kämpft seit zwei Wochen trotzdem jeden Tag darum, dass ganz Sinzig wieder auf die Füße kommt. Ein Gespräch über Trauer, unmenschliche Belastungen und die leise Hoffnung auf bessere Zeiten. Von Ingrid Eißele
stern-Sonderheft:
Die Flut. Chronik einer angekündigten Katastrophe
Hundert Seiten über eine Katastrophe, die mehr als 180 Menschen das Leben kostete. An der Chronik (ab Seite 27) arbeiteten mit: Frank Brunner, Ingrid Eißele, Hannah Möller.
https://shop.stern.de/de_DE/einzelhefte/sonderausgaben/stern-sonderheft-epaper-01-2021/2029186.html
Die Helden und Helfer: Gesichter der Mitmenschlichkeit
Der Schlamm war noch nass, als die Ersten kamen: Nicht nur Profis, auch ganz normale Menschen wollten helfen, wo immer sie konnten. Auf die Flut folgte eine Welle der Solidarität. Mitarbeit: Isabel Stettin, Andrea Mertes
https://www.stern.de/panorama/gesellschaft/-fotostrecke—die-anpackenden-nach-der-flut-30638148.html
Der Feuerwehrmann Ernst Meyer wollte helfen. Das wurde ihm zum Verhängnis
Eigentlich war er pensioniert. Aber wo Hilfe Not tat, war er zur Stelle. Auch am Abend des 14. Juli, als das Wasser in Nettersheim in der Eifel zur tödlichen Falle wurde. Der Ort trauert um einen Mann, der die Gemeinde seit Jahrzehnten prägte. Von Frank Brunner

Winzer helfen im Flutgebiet: Die Reben der Anderen
Sie kommen aus Baden, Hessen oder von der Mosel: Viele Winzer lassen die eigene Arbeit liegen, um den Kollegen an der Ahr zu helfen. Von Frank Brunner (Foto: (c) Theo Barth)
https://www.stern.de/p/plus/gesellschaft/die-reben-der-anderen-30646294.html
