Gleich zwei Feiern in Mals

Im Foyer wanderte ein Schauder durch die Reihen des Publikums, als sie vom journalistischen Alltag in der Ukraine hörten. „Wir haben ein Drohnenortungssystem dabei, wenn wir mit dem Auto unterwegs sind“, sagte Morgane Bona. „Wir können im Ernstfall ein Netz losschießen, aber das kostet 30 Euro“, sagte Johanna-Maria Fritz. Die beiden sind freie Journalistinnen und berichten seit 2022 gemeinsam über den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, erlebten etwa Drohnenangriffe am eigenen Leibe. Ihre Schilderungen trafen ins Mark der Leute im Oberschulzentrum Mals, Südtirol, wo sie das Gabriel-Grüner-Stipendium von Zeitenspiegel Reportagen am Geburtsort von Gabriel Grüner entgegennahmen.

Der Tod ist bei den jährlichen Stipendienverleihungen gegenwärtig, ist doch der Namensgeber Gabriel Grüner, ein Freund der Agentur, am 13. Juni 1999 bei einer Recherche im Kosovo gemeinsam mit seinen Kollegen Senol Alit und Volker Krämer ermordet worden. In seinem Gedenken wird das Stipendium nun zum 27. Mal vergeben – und seit 2015 der gleichnamige Schülerpreis.

Bona und Fritz schilderten im vollbesetzten Foyer ihre Arbeit, bei der sie eine neue Qualität der Gefahr ausmachen: „Mittlerweile ist klar, dass die russische Seite gezielt Journalisten jagt“, sagte Fotografin Fritz. Und ihre Autorinnenkollegin Bona erzählte von Frauen, die zur Finanzierung des Familienlebens in Kohlegruben arbeiten, und von Strafgefangenen, die sich für den Fronteinsatz melden. „Die ukrainischen Truppen nehmen aber zum Beispiel keine Vergewaltiger, was bei den russischen der Fall ist.“

Den Schülerpreis erhielt dieses Jahr das Duo Annalena Gufler und Fabian Pircher von der Landesberufsschule für Handel und Grafik für ihre Reportage „Wann hört Heimat auf?“. Darin porträtieren sie den ältesten Bauern der Gemeinde Moos im Passeiertal. Seine Geschichte erzählt von einem Leben voller Arbeit. „Wenn er einmal nicht mehr da ist, könnte der Klotz-Hof einer jener 130 Bauernhöfe sein, die in Südtirol jedes Jahr verschwinden“, so die beiden Schüler. Und Pircher: „Es ist ein Geschenk, dass wir ihn kennenlernen durften.“ Den Preis verleiht Zeitenspiegel Reportagen gemeinsam mit der Pädagogischen Abteilung der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, dem Bildungsausschuss der Gemeinde Mals und dem Südtiroler Wochenmagazin ff.

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